Schuh-Tunig? Was ist das denn?

Zugegeben, ein schneidiger Titel, er gibt aber wieder, was wir mit einer orthopädischen Schuhzurichtung machen können. Wir tunen den Schuh!
Damit schaffen wir ein besseres und gesünderes Gangbild.

Orthopädische Schuhzurichtungen ...

... ist der, unter Fachleuten gebräuchliche Begriff. Er wird benutzt wenn man eine orthopädieschuhtechnische Veränderung eines konfektionierten Schuhs beschreiben möchte. Man kann nämlich konfektionierte Schuhe so verändern, dass sie schmerzhafte Fehlstellungen und orthopädische Probleme berücksichtigen, ausgleichen oder entlasten und das Gangbild verbessern. Zum Beispiel der Ausgleich einer anatomischen Beinlängendifferenz (Verbesserung der Statik) oder degenerativen Veränderungen in den Fußgelenken (z.B. Arthrose), kann mit einer orthopädischen Zurichtung verbessert werden.

Hier wird also der konfektionierte Schuh, auf die Bedürfnisse des Trägers angepasst bzw. "getuned".

Kombiniert man die Zurichtungen zusätzlich mit einer orthopädischen Einlagenversorgung, stellt dies eine kostengünstige und schnelle Alternative zum orthopädischem Maßschuh dar. Der Träger kann bis auf einige Voraussetzungen, die Schuhe seiner Wahl tragen und das Hilfsmittel bekommt dadurch eine erhöhte Trageakzeptanz. Dennoch kann nicht jede orthopädische Fehlstellung mit zugerichteten Konfektionsschuhen und Einlagen versorgt werden. Eine Begutachtung und Einschätzung durch den Arzt und den Orthopädieschuhtechniker ist hier sinnfoll.

Aufgepasst bei der Schuhauswahl

Am Markt werden Schuhe in vielen Arten und Formen und unterschiedlichen Preiskategorien angeboten. Da gibt es zum Beispiel Schuhe, die sich am unteren Ende des Preisspektrums befinden und nicht mehr als einen Becher Kaffee und zwei Mettbrötchen kosten. Abgesehen vom Herstellungsprozess, können diese Schuhe wohl kaum für ein Tuning bzw. eine orthopädische Zurichtung geeignet sein, geschweige denn uns sicher und gesund durchs Leben tragen. Natürlich ist der Preis nur ein Erkennungsmerkmal eines qualitätsarmen Schuhes, der aber nicht immer zutreffen muss. Vielmehr sollte man, in Bezug auf eine Zurichtung, auf folgende Punkte achten.

Häufig zeigen diese Schuhe wenig Stabilität, eine weiche Brandsohle (wenn überhaupt eine verbaut wurde) und ein Wabenmuster (Rippen) von innen in der Laufsohle um Material zu sparen. Wobei ein flexibler Schuh nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagen muss. Zudem kann es sein, dass gesundheitlich fragwürdige Materialien eingesetzt wurden.

Ein Rippen- oder Wabenmuster in der Laufsohle macht den Schuh zwar leichter und spart Material, jedoch kann dies Abstriche bezüglich der Statik bedeuten. Auch sind diese Schuhe weniger für eine orthopädische Zurichtung geeignet.

Abb. 1: A: Schuhhinterkappe, B: Schuhinnenraum, C: Wabenmuster, D: Brandsohle/Decksohle

Schauen wir nun weiter in das obere Preissegment, stellen wir fest, dass hier aufgrund optischer und modischer Aspekte, Probleme entstehen können. Enge, spitze und Schuhe mit hohen Absätzen sehen vielleicht gut aus, aber sie lassen selten ein bequemes und gesundes Stehen bzw. Gehen zu. Zudem haben sie einen signifikanten Einfluss auf die Biomechanik. Im Artikel über "Hohe Absätze" dazu mehr.

 

Geeignetes Schuhwerk für ein Schuhtuning bzw. eine Zurichtung finden Sie häufig bei Ihrem Orthopädieschuhtechniker, der auch die Zurichtungen macht.

Ansonsten sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • ausreichende Laufsohlenbreite,
  • Ballenbreite und
  • Schuhlänge bzw. Schuhgröße

Häufig eignen sich die sogenannten "Gesundheitsschuhe". Diese sind meist aus höherwertigen Materialien hergestellt und lassen sich somit gut verändern. Denn die verschiedenen Stoffe müssen geschliffen, geschnitten, genäht und geklebt werden. Bei minderwertigen Materialien funktioniert dies schlecht.

 

Arten von orthopädischen Schuhzurichtungen

Eine vielzahl verschiedener Zurichtungen sind möglich. Sie können grob in vier Arten eingeteilt werden:

  1. Veränderungen am Absatz
  2. Veränderungen zur Schuherhöhung
  3. Veränderungen der Sohle
  4. Veränderungen zur Entlastung, Stützung, Polsterung und am Schuhschaft

Dazu gehören:

  • Druckentlastung an bestimmten Stellen
  • Entlastung einzelner Fußabschnitte durch Abroll- und Abwicklungshilfen (Rollentechnik)
  • Ausgleich von Beinlängendifferenzen
  • Stabilisierungsmaßnahmen im Sohlenbereich (Sohlenversteifung zur Veringerung der Krafteinwirkung)
  • Verbesserung der Statik und im Lotaufbau
  • Stoßdämpfende Maßnahmen
  • Veränderungen im Fersenraum und
  • am Schaft zur Druckentlastung, Verstärkung und Erweiterung

Absatzverbreiterung

Eine einfache aber effektive Zurichtung stellt die Absatzverbreiterung dar. Hier wird der Absatz im inneren oder äußeren Bereich verbreitert, die Kontaktfläche (Standfläche) zum Boden wird größer. Die Stand- und Gangsicherheit erhöht sich und es findet eine Verbesserung der Statik und des Lotaufbaus statt.

Gerade bei Fehlstellungen mit Achsabweichungen im Lotaufbau nach innen oder außen und Instabilitäten können mit einer Absatzverbreiterung gut versorgt werden. Zusätzlich kann eine Einlagenversorgung Sinn machen um eine Korrektur herbeizuführen. Die Absatzverbreiterung sichert die Statik und ein "Wegtreten" bzw. Abweichen nach innen oder außen kann verhindert werden.

Abb. 2 und 3: A: Schuhschaft Außenseite, B: Fuß C: Absatz, D: Absatzverbreiterung

Sohlenrollen

Die zweite Zurichtung die ich vorstellen möchte, kommt aus dem Bereich der Veränderungen an der Laufsohle. Es werden also keine richtigen Rollen unter den Schuh gebaut, sondern zusätzliches Material. Die verschiedenen Sohlenrollen können in Zehenrollen, Ballenrollen, rückverlagerte Ballenrollen, Mittelfußrollen und Tintenlöscherrolle eingeteilt werden. Sie unterscheiden sich durch die Position der Scheitellienie und somit auch in ihrer Funktion und Wirkung.

Bei der rückverlagerten Ballenrolle befindet sich die Scheitellinie kurz hinter der Ballenlinie (sie zieht die Verbindung vom 1. bis zum 5. Mittelfußköpfchen). Es wird zusätzliches Material aufgebracht damit die Scheitellinie gesetzt werden kann. Ab der Scheitellinie wird das Material unter dem Fuß, zur Schuhspitze hin, immer dünner und sieht aus wie eine Rolle. Daher kommt der Begriff "Rolle" der sich über die Jahrzehnte etabliert hat.

Durch die Veränderung der Scheitellinie, wird die Fußabrollung erleichtert, der Zehenabdruck vermindert und die Mittelfußköpfchen und Zehengelenke entlastet. Zudem veringert sich die Standfläche, was bei der Anwendung von Mittelfußrollen unbedingt berücksichtigt werden sollte.

Einsatz finden rückverlagerte Ballenrollen unter anderem bei degenerativen Veränderungen der Zehengelenke und Leiden im Vorfußbereich wie Spreizfuß und Metatarsalgie.

Abb. 4: Zurichtung, A: Laufsohle, B: Zurichtungsmaterial, C: Konfektionsschuh

Abb. 5: Scheitellinie, A: Ballenlinie, B: Scheitellinie

Abb. 6: A: Konfektionsschuh, B: Laufsohle, C: Zurichtungsmaterial, D: Scheitellinie (rückverlagerte Ballenrolle), E: Standfläche

footpower Form Fuß individuell Passform Schuhe Schuhzurichtung Tuning Zurichtung